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31. August 2026 · Sven Winkelmann · 7 Minuten

Fallstudie: Die Börse an den Wohnzimmertisch

Wie aus dem Lehrstoff einer Investment-Akademie ein Brettspiel wurde — und warum der Auftraggeber am Ende die Rechte daran gekauft hat.

Die Ausgangslage

Die PJM Investment Akademie bildet Privatpersonen im Umgang mit Geld und an der Börse aus. Gegründet wurde sie Ende 2014 in Hamburg von Philipp J. Müller. Nach eigenen Angaben ist sie Europas grösste Investment-Akademie; auf der eigenen Website nennt sie über 25'000 Mitglieder und mehr als 160 Regionalgruppen im deutschsprachigen Raum.

Der Lehrstoff ist umfangreich und über Videomodule, Seminare und Live-Trainings organisiert. Das funktioniert für Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben. Schwieriger wird es bei allen anderen im Umfeld — Partnerinnen, Freunde, Kinder. Wer nie einen Kurs bucht, kommt mit dem Thema nie in Berührung.

Die Aufgabe

Gesucht war etwas, das Grundlagen vermittelt, ohne wie Unterricht zu wirken. Kein Quiz mit Fragekarten — das ist Abfragen und bleibt nicht hängen. Sondern ein Spiel, in dem man das Verhalten, um das es geht, tatsächlich ausführt: kaufen, halten, verkaufen, abwarten, und dabei erleben, was Geduld bringt und was Hektik kostet.

Die Mechanik entsteht auf kariertem Papier: Aktien, Dividenden, Signale, Würfelvarianten. Jede Regel wird zuerst von Hand durchgespielt.

Die Lösung

Entstanden ist ein strategisches Brettspiel, in dem jede Spielerin ein Depot aufbaut. Aktienkarten stehen für Unternehmen aus verschiedenen Branchen, ein Würfel bewegt den Markt, ein Dividenden-Blatt hält fest, was die gehaltenen Positionen abwerfen. Wer eine Aktie länger hält, bekommt Ausschüttungen. Wer bei jeder Bewegung verkauft, verliert genau diesen Effekt.

Damit ist der Kernsatz der Akademie nicht auf eine Karte gedruckt, sondern in eine Regel übersetzt. Man liest ihn nicht, man erfährt ihn — indem man verliert, wenn man ihn ignoriert.

Aktienkarten, Dividenden-Zähler und Spielgeld: Jedes Element trägt einen Teil des Lerninhalts.

Das Ergebnis

Das Konzept überzeugte so weit, dass PJM die geistigen Eigentumsrechte vollständig übernommen hat. Das Spiel gehört heute der Akademie, die es exklusiv an ihre Mitglieder vertreibt — als Zeichen der Wertschätzung und gleichzeitig als Lernwerkzeug, das über den Kurs hinaus wirkt.

25'000Mitglieder erreicht
100 %Rechte übernommen
DACHVertrieb im gesamten Raum

Mitgliederzahl und Reichweite nach Angaben der PJM Investment Akademie.

Der Nebeneffekt

Wie eingängig eine Mechanik geworden ist, zeigt sich selten bei denen, für die sie gedacht war. Beim PJM-Spiel zeigt es sich bei den Kindern: Sie spielen mit ihren Eltern mit und entwickeln dabei ein erstes Verständnis dafür, was eine Aktie ist und warum eine Dividende ausgeschüttet wird — ganz ohne Absicht, jemanden zu unterrichten.

Diese Reichweite war nie Teil des Auftrags. Sie entsteht, weil ein Spiel im Regal steht und herausgeholt wird, während ein Kursmodul im Mitgliederbereich liegen bleibt.

Was sich daraus mitnehmen lässt

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